Die Geschichte des Christbaumschmucks
Lauschaer Glastradition und Immaterielles Kulturerbe
Die Geschichte des Christbaumschmucks
Für viele gehört der geschmückte Weihnachtsbaum heute ganz selbstverständlich zum Weihnachtsfest. Glaskugeln, Figuren und andere Ornamente verleihen ihm seinen besonderen Charakter. Doch der Brauch, einen Baum zu Weihnachten zu schmücken, hat sich über viele Jahrhunderte entwickelt. Eine besondere Rolle spielt dabei Lauscha, wo der gläserne Christbaumschmuck zu einer eigenen Handwerkstradition wurde.
Vom Weihnachtsbrauch zum Christbaumschmuck
Der Weihnachtsbaum steht für Leben, Hoffnung und Beständigkeit – gerade in der dunklen Jahreszeit. Schon früh wurden immergrüne Zweige und Bäume in der Weihnachtszeit verwendet und mit verschiedenen Gaben und Dekorationen geschmückt.
Die ersten Weihnachtsbäume wurden unter anderem mit Äpfeln, Nüssen, Gebäck und Kerzen dekoriert. Die Äpfel erinnerten dabei an die biblische Geschichte vom Sündenfall, während die Kerzen für Licht und Hoffnung standen. Mit der Zeit wurde der geschmückte Weihnachtsbaum zu einem festen Bestandteil des Weihnachtsfestes.
Wie der gläserne Christbaumschmuck nach Lauscha kam
In Lauscha entwickelte sich aus dem örtlichen Glashandwerk eine ganz besondere Form des Weihnachtsschmucks. Die Geschichte der Lauschaer Glaskunst reicht bis ins Jahr 1597 zurück, als die erste Glashütte gegründet wurde.
Im 19. Jahrhundert begannen Lauschaer Glasmacher, ihre Kenntnisse der Hohlglasherstellung auch für weihnachtliche Dekorationen einzusetzen. Auch unsere eigene Familiengeschichte ist eng mit dieser Entwicklung verbunden. Unser Vorfahre Christian Günter Greiner-Mai, genannt „Finstermai“, wurde 1822 in Lauscha geboren und gilt in der Literatur als Mitbegründer des Lauschaer Christbaumschmucks. Bereits um 1830 fertigte er kleine Glasfrüchte für die Schmuckherstellung.
Damit gehört unsere Familie zu den Glasbläserfamilien, deren handwerkliche Arbeit mit der frühen Entwicklung des Lauschaer Christbaumschmucks verbunden ist. Was damals mit kleinen Glasfrüchten begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer eigenständigen Lauschaer Tradition und machte den gläsernen Christbaumschmuck weit über die Region hinaus bekannt.
Diese Tradition führen wir bis heute fort. In unserer Manufaktur fertigen wir Repliken originalen Lauschaer Christbaumschmucks – Made in Germany und bewahren dabei traditionelle Techniken und Formen.
Die neuen Glasornamente boten gegenüber natürlichen Materialien einen entscheidenden Vorteil: Sie konnten immer wieder verwendet werden und wurden zu langlebigen Erinnerungsstücken. Der gläserne Christbaumschmuck verbreitete sich zunehmend über die Region hinaus und wurde schließlich in viele Länder exportiert.
Ein Brauch, der bis heute geblieben ist
Mit der Zeit veränderte sich auch der Weihnachtsbaum selbst. Aus den ursprünglich eher schlichten Dekorationen entstand eine große Vielfalt an Farben, Verzierungen und Motiven. Dennoch ist der Grundgedanke geblieben: Der Weihnachtsbaum wird gemeinsam geschmückt und begleitet Familien durch die Weihnachtszeit.
Gerade handgefertigter Christbaumschmuck hat dabei einen besonderen Wert. Viele Stücke werden von Generation zu Generation weitergegeben und sind mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Eine alte Glaskugel kann so mehr sein als Dekoration – sie erinnert an vergangene Weihnachten und an Menschen, mit denen diese Zeit verbunden ist.
Lauschaer Christbaumschmuck als Immaterielles Kulturerbe
Diese besondere Handwerkstradition wurde 2021 offiziell anerkannt. Die „Herstellung von mundgeblasenem gläsernen Lauschaer Christbaumschmuck“ wurde in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Im Mittelpunkt steht dabei das über Generationen weitergegebene Wissen über die Herstellung. Das Glas wird vor der Flamme erwärmt, mundgeblasen und von Hand geformt. Typisch für den Lauschaer Christbaumschmuck sind unter anderem die von innen versilberten Glaskugeln. Anschließend werden die Stücke lackiert und teilweise von Hand bemalt.
Früher wurde dieses Wissen vor allem innerhalb der Familien und im heimischen Arbeitsumfeld weitergegeben. Heute tragen unter anderem die Berufsfachschule in Lauscha und örtliche Vereine dazu bei, die traditionellen Techniken zu erhalten und an die nächste Generation weiterzugeben.
Tradition, die heute weiterlebt
Auch heute ist der Lauschaer Christbaumschmuck eng mit der Identität des Ortes verbunden. Was einst aus dem handwerklichen Können der Lauschaer Glasmacher entstand, ist inzwischen weltweit bekannt und ein wichtiger Teil der regionalen Glastradition.
Für uns ist diese Geschichte etwas Besonderes, denn wir sind nicht nur in Lauscha zu Hause, sondern führen die Glastradition unserer Familie bis heute weiter. Unsere mundgeblasenen Glasornamente entstehen in Handarbeit und verbinden überliefertes Können mit unseren eigenen Ideen.
So wird aus einem Stück Christbaumschmuck nicht nur eine festliche Dekoration, sondern auch ein kleines Stück Lauschaer Handwerksgeschichte, das von Generation zu Generation weitergegeben werden kann.
Zierkugel-Serie Johanna
Quellen
- Stadt Lauscha – Geschichte: Informationen zur Entwicklung der Lauschaer Glastradition und des Christbaumschmucks.
- Museum für Glaskunst Lauscha: Informationen zur Geschichte und Herstellung des Lauschaer Christbaumschmucks.
- Deutsche UNESCO-Kommission: Informationen zur Aufnahme der „Herstellung von mundgeblasenem gläsernen Lauschaer Christbaumschmuck“ in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes im Jahr 2021.