Der Ursprung der Murmeln
Der Ursprung der Murmeln reicht mehrere tausend Jahre zurück. Bereits aus der Zeit der Pharaonen gibt es Funde kleiner runder Kugeln aus ägyptischen Gräbern. Die ersten Kugeln, die zum Zeitvertreib genutzt wurden, sahen jedoch noch nicht so aus wie die bunten Glaskugeln von heute. Sie bestanden aus einfachen Materialien wie Stein, Ton, Perlen oder Nüssen.
Auch im alten Rom waren Murmeln beliebt. Kinder und Erwachsene spielten damit, und Kaiser Augustus soll sogar als Erwachsener gerne Murmeln gespielt haben. Nüsse wurden dabei häufig als Ersatz verwendet, da echte Murmeln nicht für alle erschwinglich waren. In der Antike wurden runde Kugeln teilweise auch für Wahrsagerei und andere Bräuche verwendet.
Im Mittelalter verbreitete sich das Murmelspiel in Europa und wurde besonders bei Kindern beliebt. Ein bekanntes Zeugnis dafür ist Pieter Brueghels Gemälde „Kinderspiele“ von 1560, auf dem mehrere Kinder beim Murmelspielen zu sehen sind. Teilweise wurde das Spiel jedoch verboten, da es als Glücksspiel galt.
Die Geschichte der Murmeln begann somit lange vor den heutigen Glasmurmeln. Aus einfachen Kugeln aus Stein, Ton oder Nüssen entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte die Murmeln, die wir heute kennen.
Die Glasmurmel, de Glosmärbel
In Lauscha blickt die Herstellung der Glasmurmel auf eine lange Tradition zurück. Die sogenannten „Glosmärbeln“ spielten eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Lauschaer Glaskunst. 1848 entwickelte Johann Christoph Simon Karl Greiner, der Stiefbruder von Elias Greiner, die Glasmärbelschere. Eine ähnliche Schere war bereits zuvor bei der Herstellung von Tieraugen und Glasköpfen über der Lampe eingesetzt worden. Die neue Technik ermöglichte es, Murmeln in unterschiedlichen Größen und Farben herzustellen. Das Geschäft mit den bunten Murmeln nahm daraufhin einen ungeahnten Aufschwung.
Am 5. September 1848 erhielten Elias und Septimius Greiner von der Landesregierung in Meiningen für sechs Jahre die ausschließliche Konzession zur Herstellung dieser Kugeln im Herzogtum Sachsen-Meiningen.
Der Erfolg mit den Glasmurmeln führte zu einem weiteren wichtigen Schritt: Die beliebten Glaskugeln sollten in einer eigenen Hütte hergestellt werden. Nach langen Bemühungen erhielt Elias Greiner schließlich die Genehmigung zum Bau einer eigenen Glashütte. Im September 1853 war die Hütte fertiggestellt – genau an dem Ort, an dem sich heute die Farbglashütte Lauscha befindet.
Das erfolgreiche Geschäft mit den Murmeln führte zu einer immer größeren Vielfalt. Neben der Herstellung von Hand mit der Glasmärbelschere wurden die Kugeln später auch maschinell gefertigt.
In Lauscha hingegen lebt die traditionelle Handarbeit bis heute weiter. Vor der Flamme formen erfahrene Glasbläser aus Kristallglasstäben und farbigen Glasfäden kunstvolle Murmeln. Größere Glaskugeln mit einem Durchmesser von etwa 4 bis 6 cm werden sogar frei aus der Glasschmelze geformt. Aufgrund des hohen handwerklichen Aufwands sind diese besonderen Stücke vor allem als Dekorationsobjekte gefragt.
Keine handgefertigte Glasmurmel gleicht der anderen ganz genau. Jede ist ein kleines Unikat und verbindet die lange Lauschaer Tradition mit echter Handwerkskunst – Original Lauschaer Glaskunst eben.
Original Lauscha Glaskunst eben!
Massenproduktion? Oder Sammelobjekt?
Mit der Entwicklung von Maschinen begann Ende des 19. Jahrhunderts die industrielle Herstellung von Murmeln. Besonders im 20. Jahrhundert wurden Murmeln zunehmend in großen Mengen produziert und damit für viele Menschen leicht erhältlich. Heute werden Murmeln größtenteils maschinell und in großen Stückzahlen hergestellt.
Doch gerade deshalb haben unsere handgefertigten Glasmurmeln aus Lauscha einen besonderen Wert. Jede einzelne Murmel wird mit viel handwerklichem Geschick gefertigt und ist durch ihre Form, Farben und Muster ein echtes Unikat. Keine gleicht der anderen ganz genau.
Neben ihrem besonderen Aussehen werden Lauschaer Glasmurmeln auch als Sammlerobjekte geschätzt. Ihre kunstvolle Herstellung, ihre lange Tradition und ihre Einzigartigkeit machen sie zu etwas Besonderem. Für viele Menschen sind sie nicht nur ein Spielzeug, sondern auch ein persönliches Glückssymbol oder ein kleines Stück Handwerksgeschichte.
Auch Besucher der Farbglashütte können heute erleben, wie Murmeln direkt vor der Flamme entstehen. Jeder Handgriff erfordert Erfahrung, Geschick und viel Gefühl für das heiße Glas. So wird aus einem einfachen Glasstab Stück für Stück eine individuelle Kugel.
So stehen die Lauschaer Glasmurmeln heute für etwas, das bei der industriellen Massenproduktion verloren gehen kann: Handarbeit, Individualität, Tradition und die besondere Geschichte jeder einzelnen Murmel.
Glasmurmeln sind vieles: Spielzeug, Sammlerobjekt und für manche Menschen auch ein Glücksbringer. Ein alter Volksglaube besagt, dass die Glasmurmel bösen Zauber abwehren könne. Auch steht die runde Form für Unendlichkeit – sie hat weder Anfang noch Ende. Früher soll man sie deshalb in der Hosentasche getragen haben, um sich vor Lug und Trug, etwa im Wirtshaus oder beim Viehhandel, zu schützen.
Welche Spiele kann man mit Murmeln spielen?
Wie schon vor vielen Jahrhunderten ist das Spielen mit Murmeln auch heute noch besonders bei Kindern beliebt.
Im Laufe der Zeit entstanden zahlreiche verschiedene Spielarten. Ob beim Zielen, Rollen oder Schießen – die kleinen Kugeln sorgen für abwechslungsreichen Zeitvertreib und spannende Wettkämpfe.
Quellen: https://murmelwelt.de/historie.html
https://www.schlossmuseum.de/sammlungen/kaleidoskop/kaleidoskop-71/75-murmeln-das-wohl-aelteste-spielzeug/
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